Einleitung

Die Wettkampfstrecke ist der schlauchförmige Schlachtensee, der fast südlichste See der Berliner Grunewaldseenkette. Der für den Wettkampf vermessene Uferweg beträgt 5.303 Meter und wird intensiv von Erholungssuchenden genutzt. Für Spaziergänger, Jogger und Badefreunde ist der Schlachtensee mit seiner guten Wasserqualität und waldreichen Lage ein beliebtes Ausflugsziel.

Aber auch Leistungssportler haben den Schlachtensee als Trainingsstätte auserkoren. Neben Langstreckenläufern und Lauftreffs mit Walkern sind immer wieder Top-Athleten anzutreffen. Seit der Zeit, als sich Max Schmeling auf seinen letzten Kampf im Jahre 1948 in der Waldbühne vorbereitet hatte, sind dies vornehmlich Boxer. Es folgten weitere Weltmeister wie Eckhard Dagge und Graciano sowie Ralf Rocchigiani.

Richtig schnell folgen die Umrundungen dahin, wenn Frank Zimmermann das Training aufnahm, dessen 10.000m Bestzeit bei 27:42min. liegt. Aber auch Politiker, wie der ehemalige regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, oder Schauspieler wie Götz George haben dem Schlachtensee ihre Kilometer abgerungen.

In Sportkleidung kaum wiederzuerkennen, tummeln sich viele bekannte Gesichter an dem beliebten See und werden aller Voraussicht nach auch beim Nikolauslauf an der Startlinie stehen.

Die einmalige Lage des Schlachtensees bietet dafür hervorragende Bedingungen. Geologisch zählt er zur Hochfläche Teltow und hat sich vor rund 15.000 Jahren im Brandenburger Stadium der Weichsel-Eiszeit als glaziale Rinne herausgebildet. Der Name findet erst in einer Urkunde des einflussreichen Klosters Lehnin des Zisterzienserordens 1242 als Slatdorp am Slatsee Erwähnung. Dabei wird vermutet, dass das mittelniederdeutsch Grundwort ‚slaht‘ bzw. ‚slat‘ einem Pfahlwerk als Uferbefestigung entsprich und somit der Schlachtensee nicht seine Bedeutung aus einer Feldschlacht ableitet, bei der das Dorf wüst gefallen war.

Danach verkaufte das Kloster Lehnin den Schlachtensee mit der benachbarten Krummen Lanke und dem Nikolassee, die über die langgestreckte Niederung der Rehwiese einen Teil der Seenkette verbindet, an die regierenden askanischen Markgrafen, die unter ‘Albrecht den Bären‘ die Mark Brandenburg gründeten.

Das, was heute die Siedlung Schlachtensee ausmacht, entstand erst Ende des 19. Jahrhunderts. Dem zuvor wurde um 1750 am Ufer eine Fischerhütte errichtet, die dem Lokal „Alte Fischerhütte“ am Nordost-Ufer den Namen gab und 1759 erstmalig schriftlich in Erscheinung trat. 1896 erhielt August Hensel die Fischereipacht des Schlachtensees, wodurch drei Gaststätten um den See herum entstanden, mit den Namen „Alte Fischerhütte“, „Schloss Schlachtensee“ und „Neue Fischerhütte“. Um diese Ausflugsziele zu verbinden, wurde um 1900 eine Fährverbindung aufgenommen. Kurze Zeit später fuhren zwei Motorboote auf dem Schlachtensee, wobei eine der Fähren 77 Passagiere aufnehmen konnte.

Zwischenzeitlich wurde das Baden im See verboten, aber nicht wegen Treibstoffablagerung der Dieselmotoren, sondern weil das Areal eine Privatisierung fand. 1940 musste der Fährbetrieb dann mangels Treibstoff in den Kriegsjahren eingestellt werden und 1945 wurden die Boote durch eine Brandstiftung zerstört. Der Sohn Günter Hensel hielt bis 1976 einen Fährbetrieb aufrecht und musste diesen wegen zu geringer Nachfrage einstellen. Neben der alten Fischerhütte, die mittlerweile restauriert und erweitert wurde, lässt am gegenüberliegenden Südufer ein kleiner Bootsanlegerverleih den Charme vergangener Tage erkennen.

Oberhalb dieses Verleihs liegt die Marinesiedlung, die erbaut wurde als im zweiten Weltkrieg die Seeverteidigung enorm aufgerüstet wurde. In der Zeit als regierender Bürgermeister von Berlin und in den Übergangsjahren zum Bundeskanzler nach Bonn umziehend, bewohnte Willy Brandt dort mit seinen drei Söhnen den Marinesteig 14.

Die S-Bahn, mit eigenem Bahnhof Schlachtensee, war zu dieser Zeit das belebende Fortbewegungsmittel. 1874 eröffnet und noch völlig im Wald liegend, wurde sie als unwirtschaftlich eingestuft, 1970 eingestellt und die Gleise abgebaut. Erst 1985, nach der Übernahme durch die Berliner Verkehrsbetriebe, erfolgte eine Sanierung der Fahrstrecke, wodurch die sogenannte Wannseebad ihren Betrieb wieder aufnehmen konnte und hoffentlich die umweltbewusst anreisenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Nikolauslauf befördert.